Der neue Gemeindebrief ist da!
Wie immer finden Sie den Gemeindebrief zum Durchblättern und Herunterladen auch auf der Seite Gemeindebrief.
Es ändert sich was beim Gemeindebrief
Presbyterium und Gemeindebriefredaktion haben sich entschieden, den Gemeindebrief in Zukunft in geringerer Auflage drucken zu lassen und nicht mehr an alle evangelischen Haushalte der Kirchengemeinde zu verteilen.
Nichts bleibt für immer. Gewohnheiten ändern sich, auch beim Medienkonsum. Die große Samstagabendshow in einem von nur drei Fernsehprogrammen gibt es längst nicht mehr, Bankgeschäfte erledigt man (lustigerweise) nicht mehr auf der Bank und Gemeindebriefe werden oft sofort in der großen blauen Tonne entsorgt – das muss nicht sein!
Ab dieser Ausgabe des Gemeindebriefs probieren wir deshalb etwas Neues: Sie finden ihn an vielen Stellen in der Stadt weiterhin ausliegend, z.B. in der Kirche, im Gemeindehaus, in der Tiefgarage, in vielen Geschäften, Heimen und Arztpraxen. Aber er wird Ihnen nicht mehr automatisch und ungefragt in den Briefkasten gesteckt.
Sollten Sie das aber gerne weiterhin so haben, bspw., weil Sie nicht so mobil sind, melden Sie sich einfach im Gemeindebüro oder tragen Sie sich in die in der Kirche ausliegende Liste ein, dann bekommen Sie das Heft auch weiterhin frei Haus!
Die Redaktion
Friedensdienst in Uganda
Unser Presbyter Santino Kopp berichtet aus dem Osten Afrikas

Fast ein Jahr ist nun vergangen, seit ich mich aus dem Westerwald nach Uganda aufgemacht habe, um meinen Internationalen Christlichen Friedensdienst mit der Organisation EIRENE aus Neuwied im Herzen Ostafrikas zu leisten. Seither lebe und arbeite ich in der Gemeinschaft der EIRENE-Partnerorganisation Salem Brotherhood und unterstütze mit meinem Einsatz deren Arbeit hier im ländlichen Uganda. Das Leben und Arbeiten erfüllt mich trotz bestehender Herausforderungen sehr, ich mache unzählige bereichernde Erfahrungen, durfte viel lernen und wundervollen Menschen begegnen.
Nach einer dreiwöchigen Vorbereitungszeit in der Hauptstadt Kampala kam ich in das Salem-Dorf, mein Lebens- und Arbeitsort. Es liegt im Osten Ugandas an den Ausläufern des Mount Elgon-Gebirges mit seinem 4231 Meter hohen Gipfel. Die weitere Umgebung von Salem ist, neben der nahgelegenen Stadt Mbale, wie die meisten Regionen Ugandas von kleinflächiger Landwirtschaft geprägt und besitzt ein tropisch-feuchtes, durch die relative Höhenlage (etwa 1000 Meter) jedoch etwas gemäßigtes Klima. Die seit Anfang der 1980er Jahre bestehende Organisation trägt mit ihren verschiedenen Projekten stark zu einer positiven Entwicklung der umliegenden Gemeinden bei und unterstützt viele Menschen in schwierigen Situationen. Es gibt hier ein Krankenhaus, eine Krankenschwesternschule, ein Kinderheim, insgesamt acht Baumschulen, eine kleine Grundschule, eine Schreinerei und vieles mehr.
Das Salem-Dorf gleicht einer grünen Oase und ist mit großen Bäumen bewachsen, die vielen Vögeln sowie einigen Affen und Fledermäusen ein Zuhause bieten. Seit meiner Ankunft in Salem bin ich zumeist im Kinderheim und den Baumschulen engagiert. In meiner täglichen Arbeit unterstütze ich das Team des Kinderheims bei der Betreuung der Kinder, helfe beim Kochen, arbeite im Garten; wir spielen, singen und tanzen.
Auf dem Feld des Kinderheims werden Mais, Bohnen, Maniok und Erdnüsse angebaut, des weiteren wachsen im Garten neben dem Kinderheim Bananen, Matoke (grüne Kochbananen) und Tomaten. Darüber hinaus gibt es Avocado-, Papaya- und Mango-Bäume sowie einige Hühner, Enten und Truthähne. Gekocht wird über dem offenen Feuer, meistens wird Poscho (Maisbrei) mit Bohnen gegessen. Ich begleite Kinder ins Krankenhaus, helfe in den Baumschulen aus und unterstütze das Projekt meiner Mitfreiwilligen Kristin, die ihren EIRENE-Friedensdienst in der Straßenkinderorganisation CRO in Mbale leistet. In der Stadt leben bis zu 500 Kinder vollständig auf der Straße, zumeist aufgrund von zerrütteten Familienverhältnissen, Armut und häuslicher Gewalt. Das harte Straßenleben der Kinder ist von Drogenkonsum und Gewalt geprägt und ohne die Arbeit des CRO besitzen die Heranwachsenden keinerlei Zukunftsperspektive.
Die Organisation versucht die Lebensgeschichte und Herkunft der Kinder herauszufinden, um sie dann nach Möglichkeit zu rehabilitieren, d.h. vom Leben auf der Straße in Schule und Gesellschaft zu integrieren. Die Betreuung durch die Sozialarbeiter:innen vor Ort sowie die Möglichkeit für die Kinder, ihre Kleidung zu waschen, zu spielen und eine warme Mahlzeit einzunehmen, sind die für die Kinder täglich stattfindenden Programme der Organisation. So bin ich auch mit dem CRO sehr verbunden und helfe immer wieder bei verschiedensten Aktionen. In meiner Freizeit verbringe ich häufig Zeit mit den Freunden aus dem Dorf, wir gehen zum Wandern in die Berge oder erkunden die nähere und fernere Umgebung mit dem Motorrad.
In der umliegenden Region im Osten Ugandas sind etwa fünf verschiedene Volksgruppen beheimatet, welche die unterschiedlichsten Sprachen und Traditionen besitzen. Mit der Zeit gelingt es mir, neben dem grundlegenden Luganda einfache Konversationen auch in diesen anderen Sprachen zu verstehen.
Dabei kann Uganda in Zeiten globaler Krisen und Konflikte als äußerst positives Beispiel der Völkerverständigung dienen, denn trotz vieler Unterschiede leben die verschiedenen Volksgruppen seit dem Ende der Bürgerkriegswirren in den 1980er und 90er Jahren genauso wie die Angehörigen verschiedener Konfessionen im Land äußerst friedlich zusammen. Viele Menschen in Uganda sind stolz auf diesen Frieden in ihrem Land, der insbesondere durch die vollständige Entwaffnung der verschiedenen Konfliktparteien zum Ende des 20. Jahrhunderts herbeigeführt wurde.
Spiritualität und Religion nehmen unterdessen für nahezu alle Menschen hier eine äußerst wichtige Rolle ein und auch zwischen den etwa 80 Prozent Christen und 20 Prozent Muslimen im Land gibt es kaum Verständigungsprobleme. Die Gottesdienste sind stets sehr lebhaft gestaltet, es wird viel gesungen und getanzt. Auch im Alltag der Menschen spielen Gebet, Andacht und der Austausch über Gott und religiöse Themen eine wichtige Rolle. Trotzdem muss auch erwähnt werden, dass neben vielen positiven Elementen, gerade die von den amerikanischen Freikirchen getragene „Born Again”-Bewegung inzwischen über teils starken gesellschaftlichen und politischen Einfluss verfügt. Trotz dieser sich stellenden Herausforderungen, auch aufgrund der schwierigen Lebenssituationen vieler Menschen, befinde ich mich an einem Ort der positiven Veränderung und die Arbeit bereitet mir große Freude.
Am Abend spiele ich hier häufig Fußball mit den Männern aus dem angrenzenden Dorf und genieße die Stimmung auf dem Feld, wenn neben dem Spiel die Sonne untergeht, die Kühe und Ziegen ins Dorf getrieben werden, sich der Tag dem Ende neigt und die vielen am Tage ruhenden Frösche, Insekten und Vögel die Dunkelheit der Nacht zum Singen bringen.
An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön für die riesige Unterstützung, den kraftvollen Aussegnungsgottesdienst und die vielen guten Wünsche, die ich von so vielen Menschen erfahren durfte! Diese geben mir Kraft und Halt in meinem Leben so fern von der Heimat und ich freue mich sehr auf ein baldiges Wiedersehen!
Euer Santino


Von Gästen und Mitbürgern
So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. Epheser 2,19
Wie lange, ihr Lieben, bleibt ein Gast eigentlich ein Gast, bevor seine Anwesenheit bei den Gastgebern auf Ablehnung stößt? Wann wird aus einem Fremden ein „Mitbürger“, aus einem Besucher ein Teil der Gemeinschaft? Und wie lange kann eine Kirche bestehen, wenn sie sich ausschließlich um diejenigen kümmert, die ohnehin schon dazugehören, anstatt auch auf Menschen zuzugehen, die ihren Platz noch nicht gefunden haben?
Viele Menschen empfinden Unsicherheit gegenüber dem Fremden, haben Angst vor dem Unbekannten, Furcht vor dem Neuen. Häufig wurzelt diese Angst in einer unsicheren eigenen Identität und einer intuitiven Ahnung dieser Unsicherheit. Hinzu kommt, dass politische Kräfte solche Ängste immer öfter ausnutzen, indem sie einfache Schuldzuweisungen und Feindbilder verbreiten.
Gott jedoch entzieht sich unseren begrenzten Vorstellungen. Er ist größer als unsere Ängste, Vorurteile und Unsicherheiten – darauf weist auch das Wort aus dem Epheserbrief hin. Gott ist der Hausherr seines Reiches, das mit Jesus bereits mitten unter uns begonnen hat. In diesem Reich gibt es keine Ausgrenzung und keine zeitliche Begrenzung des Dazugehörens. Bei Gott gibt es keine Fremden. Es gibt Menschen, die bereits Teil seiner Gemeinschaft sind, und solche, die eingeladen sind, es zu werden. Deshalb lautet Gottes Auftrag an uns Christen: Geht hinaus! Als Bürger seines Reiches sind wir gesandt, seine Botschaft in die Welt zu tragen. Wir sollen Menschen einladen, Gottes offene Gemeinschaft kennenzulernen und ihnen zeigen, dass bei ihm jeder willkommen ist.
Vor Gott haben alle Menschen denselben Wert und dieselbe Würde. Jeder Mensch hat einen Platz in seiner Gemeinschaft. Ich wünsche mir eine Kirche, die offen, einladend und den Menschen zugewandt ist – eine Kirche, deren Leben und Handeln etwas von dieser göttlichen Wirklichkeit sichtbar werden lässt.
Herzlich,
Ihr Pfarrer Martin Göbler